Stimmungen der Rhön | Emotion über technische Vollkommenheit
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Emotion über technische Vollkommenheit

Emotion über technische Vollkommenheit

Mit dem Wunsch bessere Bilder zu machen begeben sich viele Fotografen in eine Sackgasse. Sie suchen nach neuem Equipment. Sie glauben, wenn sie nur diese eine Linse, oder das neueste Kameramodel hätten, würde sie auch die besten Bilder machen. Das ist falsch.

Einen wirklich fundamentalen und langfristigen Fortschritt in der Entwicklung zu einem besseren Fotografen bringt nicht die Anschaffung der neuesten Ausrüstung.

 

Mit einer neuen Kamera, die doppelt so viele Megapixel wie die alte hat macht man nicht automatisch doppelt so gute Bilder.

 

Natürlich werden die Bilder mit teurem Equipment schärfer und kontrastreicher und haben mehr Details. Aber das sind nur oberflächliche Verbesserungen. Viel wichtiger ist es einen guten Blick zu entwickeln. Einen Sinn für die Umgebung zu haben und die Fähigkeit Gefühle und Emotionen in einem Bild zu transportieren.


Um einen Schritt näher an diese Fähigkeit zu kommen habe ich ein Experiment gemacht und mir
kein neues Equipment gekauft, sondern altes. Nämlich das russische Objektiv Helios 56mm f1/2,0.

Es kommt aus analogen Zeiten, doch mit einem Adapter und kleinen Anpassungen ist es ganz leicht auf heutige Kameras zu montieren. 

Bei meinen ersten Versuchen Landschaftsbilder mit der Linse zu machen bemerke ich sofort; das Objektiv verlangsamt das Arbeiten. Mit der analogen Linse funktionieren die elektronischen Hilfen der Kamera nicht. Die Blende wird über einen drehbaren Ring direkt am Objektiv justiert. Zoomen ist nicht möglich und fokussiert wird ebenfalls manuell am Objektiv. Das sind ziemlich viele Einschränkungen. Bis man also ein annähernd korrekt belichtetes Bild bekommt, was auch noch zumindest so scharf ist, dass man erkennt was zu sehen sein soll vergeht einige Zeit.

 

Ich fotografiere so dies und das und merke, dass ich immer weniger auf
die Kameraeinstellungen achte.

Zum Einen ist es mit der alten Linse ohnehin kaum möglich gestochen scharfe Bilder zu machen, also versuche ich es erst gar nicht. Zum Anderen sehe ich keine Notwendigkeit mehr darin.

Ich bin in einem Moor unterwegs. Die leicht unscharfen, irgendwie milchigen Bilder harmonieren sehr gut mit der regnerischen, mystischen Atmosphäre. Was will man mehr? Eine moderne superscharfe Linse zu verwenden hätte gar nichts gebracht. Im Gegenteil. Wären die Bilder richtig scharf und kontrastreich würde es die Stimmung schwächen.

 

Ich fotografiere so dies und das und merke, dass ich immer weniger auf
die Kameraeinstellungen achte.

Zum Einen ist es mit der alten Linse ohnehin kaum möglich gestochen scharfe Bilder zu machen, also versuche ich es erst gar nicht. Zum Anderen sehe ich keine Notwendigkeit mehr darin.

Ich bin in einem Moor unterwegs. Die leicht unscharfen, irgendwie milchigen Bilder harmonieren sehr gut mit der regnerischen, mystischen Atmosphäre. Was will man mehr? Eine moderne superscharfe Linse zu verwenden hätte gar nichts gebracht. Im Gegenteil. Wären die Bilder richtig scharf und kontrastreich würde es die Stimmung schwächen.

 

Anstatt mir also Gedanken über die Technik zu machen, beschäftige
ich mich nun mehr mit der Umgebung.
 

 

Völlig befreit experimentiere ich mit verschiedenen Kompositionen und nehme generell die Landschaft viel aufmerksamer wahr. Durch die Limitierung der Ausrüstung liegt das Augenmerk mehr auf dem Motiv. Besser gesagt, auf meiner Auswahl des Motivs.

Aus einer nüchternen Ablichtung der Umgebung wird so eine
persönliche Interpretation der Landschaft.
 

Stellt man die Technik hinten an, wird das Auge des Fotografen wichtiger. Was sieht er und wie fotografiert er es.
Das Bild bekommt dadurch eine Seele und Einzigartigkeit.

Natürlich fotografiere ich nun nicht ausschließlich mit der alten Linse und mache unscharfe Bilder. Aber das Helios hat mir geholfen meine Arbeiten zu hinterfragen. Manchmal braucht man eben einen kleinen Denkanstoß, um wieder erinnert zu werden, dass die Atmosphäre und Stimmung im Bild wichtiger ist als technische Details.

 


Unten mal der Vergleich zwischen einem modernen Nikon 70-200 2.8 Objektiv und dem alten Helios 56mm 2.0. 

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